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Squirten, WTF?! Was da wirklich passiert
Squirten, im Englischen Squirting, heißt übersetzt schlicht „Spritzen“: klare Flüssigkeit, stoßweise aus der Blase, bei den richtigen Handgriffen und der richtigen Stimmung. Was dabei im Körper passiert, wie es sich von Orgasmus und Ejakulation unterscheidet und was Studien sagen. Alles aus dem Buch, nichts aus dem Netz.
01Squirten, WTF?!
Der Begriff Squirting beschreibt das stoßweise Freisetzen von Flüssigkeit aus der Blase. Squirten ist also keine Bezeichnung für eine Flüssigkeit, sondern bedeutet übersetzt einfach „Spritzen“. Von wenigen Tropfen bis zu etwa 0,2 Litern ist alles drin.
Der Weg: Die Flüssigkeit wird von den Nieren in die Blase geleitet, macht dort nur ganz kurz Halt und schießt durch die Stimulation der richtigen Punkte mit einem sehr befreienden Gefühl aus der Harnröhre. Deshalb die wichtigste Regel: Blase vorher entleeren! Sonst nimmt man es als Urin wahr.
Squirten wird gerne Ganzkörper-Orgasmus genannt, wenn es an einen Orgasmus gekoppelt ist. Das Gefühl kann den ganzen Körper durchfahren. Ein Zittern während oder nach der Massage? Keine Seltenheit.
Der Ablauf, zum Merken: Blase entleeren. Vorbereitung, Teasen durch ausgiebige Massage. Die Finger stimulieren den G-Punkt-Bereich. Die Blase füllt sich rasch mit Wasser aus der Niere. Das Gefühl, pinkeln zu müssen, wird immer stärker. Die Stimulation triggert das bewusste Herausspritzen der klaren Flüssigkeit. Voraussetzung: Frau lässt sich bewusst auf das Gefühl ein und gibt ihm nach.
02Orgasmus, Squirten, Ejakulation
Drei Vorgänge, die ständig in einen Topf geworfen werden. Kurz und prägnant:
Orgasmus
Direkt vor dem Höhepunkt verstärkt sich die Blutversorgung der Vagina. Dann kommt es zu automatischen, rhythmischen Kontraktionen der Muskeln, die aufgebaute Spannung entlädt sich. Danach: Entspannung, oft im ganzen Körper.
Squirten
Das stoßweise Freisetzen der klaren Flüssigkeit aus der Blase, ausgelöst durch die Stimulation des G-Punkt-Bereichs. Mit oder ohne Orgasmus.
Ejakulation
Das Ejakulat ist eine milchige Flüssigkeit und kommt aus den Skene-Drüsen, gleich hinter dem Scheideneingang. Vergleichbar mit dem Ejakulat des Mannes aus der Prostata. Wird dieser Bereich neben dem G-Punkt massiert, kann das erregen und Ejakulat freisetzen. Bei der Kontraktion des Orgasmus wird die Drüse regelrecht „gemolken“, dann tritt etwas mehr aus. Von wenigen Tropfen bis zu einem Shotglas.
Frau kann also: einen Orgasmus haben, ohne zu ejakulieren oder zu squirten. Squirten, ohne zu ejakulieren oder einen Orgasmus zu haben. Ejakulieren, ohne das eine oder das andere. Zwei davon kombinieren. Oder alle drei zugleich. Meistens überlappen sich Orgasmus und Ejakulation. Die Drüsen und Studien im Detail.


03Kann das jede Frau?
Nahezu jede Frau hat die biologischen Voraussetzungen, um in den Genuss des Squirtens zu kommen. Die Frage lautet eher: Will ich das überhaupt? Viele Frauen verspüren gar nicht das Verlangen, es auszuprobieren.
Die eigentliche Hürde ist nicht der Körper. Es sind die Dinge, die man nicht sieht: Fallenlassen, Entspannen. Deshalb ist so schwer festzumachen, warum es manchmal einfach nicht klappt. Und im Umkehrschluss: Genau dieses Wissen hilft, an den Hürden zu arbeiten und den Weg freizumachen.
Übrigens: Je besser die Muskulatur im Beckenbereich trainiert ist, desto mehr kann Frau das Squirten kontrollieren und den Drang bewusst steuern. Ganz herkömmliches Training der Beckenmuskulatur reicht. Ausführlich: Kann jede Frau squirten?
04Weniger ist mehr
Die ausgiebige Vorbereitung dominiert. Immer. Es geht nicht um die Dauer, sondern um die Intensität des Vorspiels und ihre Wirkung. Manchen genügen mentale Stimulation, Dirty Talk und Fantasie mit all ihren Details, um richtig bereit zu sein. Subtile Blicke, sanfte Berührungen zwischendurch, das zwischenmenschliche Spiel: alles Vorspiel, um das Gegenüber verrückt zu machen. Ist sie bereit, braucht es nicht mehr viel Technik.
Kommt das Vorspiel zu kurz, muss die Fingertechnik kompensieren. Das wird mühsam. Für beide. In einem nicht entspannten Rahmen fällt das Fallenlassen schwer, und in den meisten Fällen versagt dann die Unterarmmuskulatur beim Komm-her-Griff: Der Druck lässt nach, die Stimulation ist nicht mehr in vollem Maß durchführbar.
05Die Anatomie: Wo ist was?
Skene-Drüsen
Die Skene-Drüse, auch Paraurethral-Drüse oder weibliche Prostata, liegt nahe der vorderen Vaginalwand und umgibt die Harnröhre. Ihr Sekret ähnelt dem männlichen Prostatasekret und enthält unter anderem Proteine, Enzyme und Antigene mit antimikrobieller Wirkung. Neu ist das Thema nicht: Schon die indische Liebeslehre Ananga Ranga aus dem Jahr 1172 beschreibt das Ejakulieren. Benannt ist die Drüse nach Alexander Skene, einem schottischen Gynäkologen des 19. Jahrhunderts.
Bartholin-Drüsen
Zwei kleine, erbsengroße Drüsen an der Vorderseite der Vaginalöffnung. Sie befeuchten die Vagina bei Erregung. Benannt im 17. Jahrhundert nach dem dänischen Anatom Caspar Bartholin.
Harnröhre
Bei Frauen etwa drei bis vier Zentimeter lang, von der Blase zur Öffnung vor der Vaginalöffnung und hinter dem Schambein. Die Öffnung kann bei Erregung leicht anschwellen. Durch sie fließt der Urin. Und durch sie tritt die Squirt-Flüssigkeit aus.
Vagina und Klitoris
Die Vagina misst in Ruhe vier bis neun Zentimeter, gedehnt bis zu dreizehn. Von der Klitoris siehst du nur die Knospe, etwa so groß wie ein Kirschkern. Tatsächlich mündet sie in zwei längliche Schenkel rund um die Vaginalöffnung. Ein Häubchen schützt die Knospe, vergleichbar mit der Vorhaut des Penis. Wer die verdeckten Schenkel massiert, bereitet die Klitoris indirekt vor. Zu hastig berührt? Überstimulation. Und die ist alles andere als angenehm.
PC-Muskel
Zwischen Anus und Vagina, direkt mit der Klitoris verbunden. Er hält den Harndrang zurück und ist zugleich der Auslöser des Squirtens. Deshalb: dem Gefühl des Harndrangs bewusst nachgeben.
G-Punkt und G-Zone
Benannt nach dem Gynäkologen Ernst Gräfenberg. Du ertastest ihn, indem du mit den Fingern in die Vagina eindringst, die Hand mit der Unterseite nach oben drehst und eine Komm-her-Bewegung machst. Ein schwammartiges Gewebe, etwa so groß wie eine 50-Cent-Münze, das bei Stimulation anschwillt. Rund um den G-Punkt liegt die G-Zone, die zusammen mit den Skene-Drüsen eine wichtige Rolle beim Lustempfinden spielt. Beide geben ihre Reize an die Klitorisschenkel und den Klitoriskörper weiter: eine multiple Stimulation, die zu einer ganz neuen Form der Ekstase führen kann.

06Nur ein Hype?
Squirten erlebt seit einigen Jahren einen ordentlichen Hype. Warum? Die Pornoindustrie zeigt es in übertriebenem Maß, und viele, vor allem junge Menschen, jagen diesem verzerrten Bild hinterher und geraten unter Performance-Druck. Dabei ist Squirten alles andere als neu: Aus Ruanda stammt die Sexualpraktik Kunyaza. Ihr erklärtes Ziel ist der Orgasmus der Frau. Die Penisspitze wird rhythmisch auf Klitoris, innere und äußere Vulvalippen und den Vulvaeingang geklopft, das fördert die Durchblutung und steigert die Sensibilität. Schlussendlich soll die Frau ejakulieren und squirten.
07Proof of Concept: Was Studien sagen
Woher die Flüssigkeit stammt, hat eine im August 2024 im International Journal of Urology veröffentlichte japanische Studie geklärt. Die Herangehensweise war denkbar einfach: Den Teilnehmerinnen wurde Wasser mit blauer, harmloser Flüssigkeit per Katheter in die Blase eingeführt. Stimuliert wurde teils nur äußerlich, teils mit Penetration. Das Ergebnis war eindeutig: In allen Fällen war die Flüssigkeit blau. Squirt ist Blasenflüssigkeit. Zugleich wurde nachgewiesen, dass sich darin Ejakulat aus der Skene-Drüse befand. Weitere Studien im Buch: Berührung und Gesundheit, Sexualität und Zufriedenheit, die Kraft der einzelnen Finger, die erogenen Zonen der Frau. Alle fünf auf der Wissenschaftsseite.
08Was im Buch dazu steht
Fingerspritzengefühl beginnt mit genau diesen Grundlagen: Begriffe, Ablauf, die Frage „Kann das jede Frau?“, Orgasmus und Ejakulation, Anatomie, Studien mit QR-Code zur Originalarbeit. Danach: Vorbereitung, Massage, Griffe. Schritt für Schritt, gezeichnet, und am Ende Champagne, Baby.
Im Buch: Squirten, WTF?! ab Seite 40, Orgasmus, Squirten, Ejakulation ab Seite 48, Anatomie ab Seite 54, Studien ab Seite 67. Leseprobe öffnen oder zum Buch.
Das Buch dazu
Fingerspritzengefühl erklärt jeden Griff mit Zeichnung und Video. 199 Seiten, zweite Auflage.
Häufige Fragen
Zwei Vorgänge, die ständig verwechselt werden. Squirten: klare Flüssigkeit, stoßweise aus der Blase, bis zu etwa 0,2 Liter. Ejakulation: milchiges Sekret aus den Skene-Drüsen hinter dem Scheideneingang, von Tropfen bis zu einem Shotglas. Beides kann einzeln, zusammen oder mit einem Orgasmus kommen.
Nahezu jede Frau hat die biologischen Voraussetzungen. Die Hürde ist nicht der Körper, sondern das Fallenlassen. Und die Frage, ob sie es überhaupt will.
Nein. Die Flüssigkeit nimmt denselben Weg, aber wenn die Blase unmittelbar vorher entleert wurde, hat sie keine Zeit, sich als Urin zu bilden. Das passiert erst in der Blase. Also: vorher entleeren.
Von wenigen Tropfen bis zu etwa 0,2 Litern, also bis zu einer Tasse. Die Blase füllt sich während der Stimulation rasch mit Wasser aus der Niere.
Nicht zwingend. Frau kann squirten, ohne einen Orgasmus zu haben, und einen Orgasmus haben, ohne zu squirten. Kommt beides zusammen: Ganzkörper-Orgasmus.
An der vorderen Vaginalwand. Mit den Fingern eindringen, die Hand mit der Unterseite nach oben drehen, Komm-her-Bewegung. Er fühlt sich schwammig an, ist etwa so groß wie eine 50-Cent-Münze und schwillt bei Stimulation an.
Er sitzt zwischen Anus und Vagina, direkt mit der Klitoris verbunden. Er hält den Harndrang zurück und ist zugleich der Auslöser des Squirtens. Wer ihm bewusst nachgibt, macht Squirten möglich. Wer ihn trainiert, steuert den Drang besser.